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Wie alles begann!

Alles  begann  im  Jahr 1890,  als Wilhelm Wohleber in Heidelberg geboren wurde. 1919 gründete er eine Firma für elektrotechnische Artikel, die er  in Wien ansiedelte.

Herr Kommerzialrat Wilhelm Wohleber

Doch   schon  bald,  nämlich  1924,  als das Radiofieber Europa  erfasste,  dachte  er über eine Erweiterung des Betriebs  nach  und  nahm einfache Radioapparate und Bestandteile  in  sein  Programm  auf.  Teils  waren  die Produkte  zugekauft, aber zum Teil auch in der eigenen Werkstätte  erzeugt.  Zum  damaligen Zeitpunkt nannte sich die kleine Firma

"RADIOLA".

Die  Produkte hatten unterschiedliche Namen, so zum Beispiel: AERIOLA, AEROPHON, RADIOGLOBE,  RADIOLA  und  RADIOPA.  Produziert wurde alles, was das Herz des Rundfunkhörers,  sowie  des Radiobastlers begehrte, vom einfachen Detektorapparat bis hin zu  den  höchstwertigen  8-Röhren- Empfangsanlagen.  Doch  die Probleme mit dem Firmennamen  und  den Produktnamen waren absehbar (Radiola war in den USA ein für RCA  geschützter  Name,  auch  in  Frankreich  gab  es  einen  gleichnamigen Hersteller, Aeriola  war  der  Markenname  von  Westinghouse).  Deshalb mußte  Wilhelm Wohleber rasch  einen  neuen  Firmennamen  finden,  um  eventuellen Klagen großer Konzerne zu entgehen. Ab 1927 hieß das Unternehmen

"MINERVA",

obwohl  in Deutschland die Firma Carl Lochmann, Berlin, den gleichen Namen innehatte. Die  Firma  Minerva  war  zu  einem  festen  und  allseits  bekannten  Unternehmen   der österreichischen   Radioindustrie   geworden   und   konnte  ständig   ihre Produktpalette erweitern.  So   wurden    in   der   Saison   1929/30,   als   die   Firma   ihr   10-jähriges Bestandsjubiläum    feierte,   27    (!!!)    verschiedene    Empfänger,        Vorsatzgeräte, Netzanschlußgeräte,   sowie  Lautsprecher  und  Plattenspieler   den Kunden angeboten!

Die  folgenden  Jahre  brachten  die  Wirtschaftskrise  in  Europa,  davon  war  auch  die Radioindustrie betroffen. Minerva setzte drei Zeichen, um überleben zu können:

Man produzierte ab 1933 nur noch hochwertige Superhetempfänger,  die Fertigung  von Geradeaus-Typen wurde eingestellt. Der  Erschließung  der  Exportmärkte  maß  man   bei Minerva  erhöhtes  Augenmerk  bei.  So  versuchte man sowohl in mitteleuropäischen  Ländern  Fuß zu fassen, als auch den nahen, mittleren   und   fernen   Osten   zu   beliefern.   Minerva war auf Ausstellungen  in Europa, Afrika und selbst in China vertreten. Bis zum Jahr 1938 stieg der Exportanteil auf 40% der Gesamtproduktion.

Der   dritte  und  zukunftsträchtigste   Schritt   war  die Lizenzproduktion.   Bedingt   durch   hohe   Schutzzölle innerhalb Europas war ein  Export  nicht  gerade leicht. Minerva  betrieb  deshalb  Lizenzfertigungen  in  Italien (mit AQUILA),  in  der  Schweiz (mit TITAN), in Polen  (mit ELEKTRIT) und in Frankreich. Das Konzept erwies sich als erfolgreich  und bewährte sich über Jahrzehnte.

Einen großen Einschnitt in die Entwicklung des Unternehmens brachte das Jahr 1938 mit sich, als Österreich und damit seine ganze Industrie dem Deutschen Reich einverleibt wurde. Während der nun folgenden Kriegsjahre mußte Minerva seinem Vorsatz, nur noch Superhetempfänger herzustellen, durch die Verpflichtung zur Produktion des DKE und VE, untreu werden.

Darüber hinaus wurde der Betrieb vermehrt in die Rüstungszulieferindustrie eingebunden, die zivile Produktion wurde zurückgedrängt. Dennoch waren die Konstrukteure in den Radiolabors nicht untätig, galt es doch jedes Jahr neue Modelle für die Lizenznehmer zu entwickeln.

Mit dem Jahr 1945 und den massiven Bombenangriffen auf die Hauptstadt Wien, sowie dem darauffolgenden Einmarsch der Sowjettruppen schien das endgültige „Aus“ für dieses alte Wiener Traditionsunternehmen besiegelt. Hauptgebäude zerbombt, Röhrenlager abgebrannt, Rohmaterialien und Maschinen verschleppt.  Minerva stand vor dem Ende!  

Der

Neubeginn!

       Frau Elisabeth Wohleber

Herr Ing. Egon Mally

Aber nach einem Jahr unermüdlicher Aufbauarbeit und Sichtung der noch vorhandenen Materialbestände, gelang es Minerva, das erste in Serie gefertigte Rundfunkgerät auf den Markt zu bringen. Rasch ging es wieder bergauf.

Dennoch war der weitere Weg des Unternehmens von vielen Problemen und Rückschlägen gezeichnet.

1950 starb Wilhelm Wohleber im 60. Lebensjahr knapp nach dem 30-jährigen Firmenjubiläum. An seine Stelle trat seine Gattin Elisabeth, Herr Ingenieur Egon Mally wurde zum Direktor des Unternehmens bestellt.

In diese Zeit fiel auch der alte Trick eines der größten europäischen Röhrenherstellers, die Firma durch Fälligstellung von offenen Rechnungen in seinen Besitz zu bringen. Doch Minerva gelang es, die Verbindlichkeiten zu begleichen und die für die Produktion notwendigen Teile von anderen Anbietern zu beziehen.

Der Betrieb florierte und Minerva wurde bei der technischen Entwicklung zum Vorreiter:

Linkes Bild: MINERVA 506

Baujahr 1949, wurde in großen

Stückzahlen produziert.

 Rechtes Bild: MINERVA 519

Baujahr 1950, erster integrierter

UKW-Empfänger von Minerva

Bereits 1950 wurde der erste UKW-Empfänger in Serie gebaut und exportiert. Auch bei der Entwicklung und Produktion der ersten Fernsehempfänger stand Minerva in der vordersten Reihe.

Das erste transportable Transistorradio Österreichs kam 1957 auf den Markt, es war ein „Minerva“! Diese Erfolgsgeschichte läßt sich noch weiter fortsetzen, auch bei der Einführung des Farbfernsehens war Minerva bereits mit ausgereiften Modellen parat. Dann folgte das erste transistorisierte Tischradio und so weiter!

Bis zum Jahr 1968 war Minerva im In- und Ausland ein Begriff für Qualität und Zuverlässigkeit bei Kunden und Servicetechnikern.

Zum 50-jährigen Firmenjubiläum, im Jahr 1969, ging der Besitz dieses Traditionsunternehmens an Max Grundig.

Das ist das Ende der Geschichte.....

copyright (©) 2000-2017  Fritz Czapek, Bildmaterial: Broschüre "50 Jahre Minerva" und

private.

 

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