Eine Bilderreise in die Vergangenheit,
erster Teil (1924 bis 1936)
Wir beginnen nicht mit der Firmengründung, sondern erst 1924, als das Unternehmen, an seiner Spitze Herr Wilhelm Wohleber, beschloss, der stark wachsenden Nachfrage nach Rundfunkempfängern gerecht zu werden. Das begann natürlich mit dem Detektorempfänger!
Handzeichnung in
Tusche von Hrn. Ing. Egon Mally aus einer Festschrift
Diese Zeit war auch die Hochblüte der genialen Bastler, wer genug technisches Verständnis und etwas Geschick besaß, baute seine, mehr oder weniger komplizierte, Empfangsanlage samt dazugehöriger Antenne selbst.
Diese Zeichnung demonstriert die Produktpalette für den
Amateur..... 
Diesem Trend trug auch die Firma Radiola, wie das Unternehmen damals noch hieß, Rechnung und lieferte Material und auch komplette Bausätze an die Händler. Auch der Weg des Direktvertriebs wurde beschritten, wie diese alte Postkarte zeigt, mit der technische Unterlagen zum Selbstbau, sowie Werbung über Fertiggeräte angefordert werden konnte.
Antwortpostkarte von Radiola aus dem Jahr 1928

Doch der Radiohandel, der damals hauptsächlich von Nähmaschinenhändlern betrieben wurde, auch Fahrradgeschäfte mischten mit, galt zu dieser Zeit als fachlich nicht sehr kompetent und so entstanden bald eigene Spezialgeschäfte, die ausschließlich Rundfunkempfangsanlagen und Plattenspieler vertrieben, verliehen und auch für den Ersatzteilhandel zuständig waren. Solch ein frühes Geschäft zeigt das nächste Bild.
Auslage eines Radiofachgeschäftes in Baden bei Wien, 1926
und in Graz (Firma Steirerfunk), 1932 
Das waren wilde Jahre, jeder glaubte, am Kuchen mitnaschen zu können, doch schon bald setzte die Periode der Konsolidierung beim Handel, aber auch bei den Herstellern ein! Viele finanzschwache, auch unseriöse Firmen verschwanden so rasch, wie sie gekommen waren. Überlebt haben schließlich diejenigen, die auf Qualität setzten. Minerva gehörte dazu!
Wir sind im Jahr 1930 angelangt, in einer Zeit, als die Empfänger und Lautsprecher in ein Gehäuse zusammengepackt wurden und der Netzanschluss sich generell bei den Geräten durchsetzte. Gleichzeitig damit wurden die Radios mit mehreren Empfangsbereichen angeboten, damit war das einfache, selbstgebastelte Gerät nicht mehr wirklich attraktiv.
Eine neue Ära begann 1933, als Minerva den Entschluss fasste, nur noch Superhets zu produzieren.
Die Amateure sollten Superhets bauen... ...und einer der letzten Geradeausempfänger von Minerva
Der Grund dafür war die problematische Empfangslage im vorwiegend gebirgigen Österreich! In Verbindung mit den geringen Strahlungsleistungen der Sender war es notwendig, extrem empfindliche Geräte zu entwickeln, hohe Trennschärfe war ebenso gefordert, wie ein günstiger Verkaufspreis. Das alles zusammen ließ Minerva Geräte entwickeln, die fast ohne Konkurrenz dastanden. Nur solche qualitativ hochwertigen Radios konnten auch in viele Staaten der Erde exportiert werden. Ein gutes Beispiel dafür: 1933 galten die Drei- und Vierröhrengeräte als Standard, Empfindlichkeiten von unter 10 µV wurden erreicht, die Amerikaner schafften die gleichen Werte mit Sechsröhrengeräten. Kein Wunder also, dass Minerva- Geräte sehr begehrt waren und der Produktionsausstoß über 20 000 Geräte pro Jahr betrug.
Chassis und Gehäuse des Minerva S 4 Superhet Gehäusezeichnung für die nächste Saison
1936 war das Jahr der Gründung mehrerer ausländischer Niederlassungen. In Mailand, Paris, Wilno und Zürich wurden Fabriken errichtet oder Partnerfirmen für Lizenzproduktion gefunden.
Handzeichnung von Ing. Egon Mally zum Thema
Niederlassungen
Ex Libris des
Firmenchefs, Herr Wilhelm Wohleber
© 2001: Fritz Czapek
Die meisten hier erstmals veröffentlichten Bilder und Zeichnungen stammen aus dem Privatbesitz der Eigentümerfamilie Wohleber, sowie aus dem Nachlass der Prokuristin, Frau Adele Filip und Werbematerial. Die Qualität der Abbildungen entspricht ihrem Alter.