Eine Bilderreise in die Vergangenheit,
zweiter Teil (1936 bis 1945)
Die folgenden Jahre brachten eine kontinuierliche Entwicklung der Geräte in technischer Hinsicht, beim Äußeren wurde der Umstieg vom Hochbaugerät zum Querbaugerät vorbereitet.
Gehäusestudie, nie realisiert. Bleistiftzeichnung von Ing. Egon
Mally
Neuentwicklungen bei den Röhren veranlasste die Radiohersteller dazu, jedes Jahr zur Messe neue Modelle auf den Markt zu bringen. Damit verbunden war auch immer ein neues Design, dem jeweiligen Geschmack des Publikums entsprechend.
Photo des Messestandes von Minerva,
1936

und zwei Jahre später, bereits mit Einheitsempfängern (links im Bild)
Minerva besaß in dieser Zeit einen Anteil von zirka 30% am heimischen Markt und fast 60% der Produktion ging in den Export nach Ost- und Südosteuropa, Niederländisch- Indien und Südamerika!
Werbeschriften der Jahre 1938 bis 1940 mit einer Detailansicht des inneren Aufbaues.
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich eröffnete zwar der Radioindustrie ein großes Absatzgebiet, doch diese Jahre brachten sehr schwere Zeiten für die gesamte Bevölkerung. Wir befanden uns im zweiten Weltkrieg. Die unglaubliche Materialschlacht bedingte, dass die meisten Betriebe in Rüstungsaufgaben einbezogen wurden. Auch das Wiener Werk von Minerva (Deckname: bw) musste Torpedozünder und andere kriegswichtige Teile fertigen, obwohl ein großer Bedarf an Rundfunkgeräten bestand. Aber per Verordnung wurde ein Großteil der Produktion der benötigten Geräte in Länder verlagert, die nicht zum Stammreich gehörten und importiert. Mit wenigen Ausnahmen, denn Luxus- und Großempfänger durften weiterhin gebaut und devisenbringend exportiert werden.
Als Beispiel dafür dienen die Großsuper Minerva 399, Minerva 499 und Minerva 407, die im Inland so gut wie nicht erhältlich waren.
Minerva
399 Großsuper, Exportgerät der Saison1938/39 
Im Jahr 1940, als Herr Wohleber seinen 50. Geburtstag feiert, haben die Mitarbeiter, allen voran Herr Ing. Mally, ihren Chef geehrt. Der Text der Festrede ist hier zu lesen:
Zu dieser Zeit wurde ein Radio in Kleinstserie aufgelegt, das als Geschenk für die leitenden Mitarbeiter gedacht war. Es hieß "Minola Privat", war fast ausschließlich handgefertigt und mit einer speziellen Skala versehen. Technisch gesehen war es ein Kleinsuper im Bakelitgehäuse mit Stahlröhren der U- Serie. Aus dieser Konstruktion sollte Jahre später ein serienreifes und oft verkauftes Modell entstehen, "Miraphon 500"!
Minola Privat, nie im Handel erhältlich
und seine Skala
Die verheerenden Bombenangriffe der Alliierten machten Wien als einzige Produktionsstätte zu unsicher und so wurden Teile der Produktion nach Grein an der Donau (Oberösterreich) verlagert.
Damit will ich das zweite Kapitel meines geschichtlichen Rückblicks beenden, nicht ohne auf den Autor vieler Zeichnungen und Texte einzugehen, auf ein wahres Universalgenie:
Der
eigentliche Kopf der Firma Minerva, Ing. Mally,
der die Geschicke mitbestimmte (Foto
von 1936)
Herr Ing. Egon Mally hatte bereits seit 1929 die Geschicke des Unternehmens maßgeblich mitbestimmt. Anfänglich in der Entwicklungsabteilung beschäftigt, schrieb er nebenbei diverse Fachaufsätze für die Zeitschrift "Radioamateur"! Als begabter Zeichner und Designer begann er schon bald mit richtungsweisenden Entwürfen für Gehäuseformen und Skalen. Doch alle seine Fähigkeiten reichten viel weiter, auch auf dem kommerziellen Sektor war er absolut sattelfest, was seine spätere Bestellung zum Direktor des Unternehmens nachdrücklich unterstreicht. Während der schweren Kriegszeiten, aber auch beim bald darauffolgenden Wiederaufbau stand er immer in der ersten Reihe der Mitarbeiter! Ing. Mally blieb der Firma bis zuletzt treu, sein wahrer Lebensinhalt hieß "Minerva"!
© 2001: Fritz Czapek
Die meisten, hier erstmals veröffentlichten Bilder und Zeichnungen stammen aus dem Privatbesitz der Eigentümerfamilie Wohleber, sowie aus dem Nachlass der Prokuristin, Frau Adele Filip und Werbematerial. Die Qualität der Abbildungen entspricht ihrem Alter.